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Quelle: Weinheimer Nachrichten von 20.11.2010
Wenn Heiterkeit auf Ernst trifft
Konzentrierte Blicke: Die Sänger des Jungen Chors des MGV 1850 Hohensachsen begeisterten ihr Publikum in der Alten Synagoge Leutershausen. Garant dafür waren die spürbare Freude am Singen und eine ansprechende Mischung verschiedenster Werke. Bild: Kopetzky
Leutershausen. Welch ein Beifall! Schon nach den ersten Liedstücken des Jungen Chors des Männergesangverein (MGV) 1850 Hohensachsen zeigten Zurufe und anerkennendes Pfeifen, dass sich ein sehr begeisterungsfähiges Publikum in der Alten Synagoge eingefunden hatte. Ganz offensichtlich hatten die Besucher ihre helle Freude an dem bunten und schwungvollen Programm aus verschiedenen Stilrichtungen.
Das Ensemble setzte noch eins drauf, indem es etwas ernstere Lieder um eine spirituelle Note erweiterte. Heiterkeit mit Ernst zu verbinden, das ist sowieso schon kaum zu schaffen.
Melodischer Einzug
Die irische Volksweise "Sally Gardens" singend zogen die Sänger vom Eingangsbereich der Synagoge kommend durch die Reihen, formierten sich auf der Bühne, wiegten sich im Rhythmus des Songs und hatten mit dieser Herangehensweise an ihr Konzert auch gleich das Publikum für sich gewonnen. Gleichzeitig gaben sie damit einen Vorgeschmack auf das Kommende. Spielend schafften es die Chorsänger, ihre gute Laune und ihre Freude am Chorgesang auf die bis hinauf zur Empore verteilten Zuhörer überspringen zu lassen, erfreuten doch ihre Lieder nicht zuletzt auch Seele und Geist.
Trotz der Programmfülle von 19 Musiktiteln waren es recht unterhaltsame zwei Stunden und mit Sicherheit auch erfüllte Augenblicke für so manchen Zuhörer.
Chorleiterin Margit Pöhlert hatte den Liedern durch ihre Arrangements einen eigenen Stempel aufgedrückt, mit einem unverwechselbaren Sound, ein Markenzeichen, das den Erfolg des seit sechs Jahren bestehenden Chores garantierte. Und dieses Konzept Pöhlerts ging ohne Frage auf. Denn wie das Ensemble die Intentionen seiner Chorleiterin bei den Kult-Songs "Can’t you feel the love tonight", "For the longest time" und bei Udo Jürgens’ Komposition "Jetzt oder nie" klingend umzusetzen verstand, das war schon klasse.
Intensive Probenarbeit
Hinter diesen prächtigen vokalen Höhenflügen verbirgt sich aber auch eine in intensiver Probenarbeit angeeignete Disziplin. Etwas Unvorhergesehenes kann da eigentlich nicht passieren. Das heißt nicht, dass die Sänger nicht auch mit viel Spaß dabei sind. Mit swingend interpretierten Songs von Jazz-Standards unterstrichen sie ihre große Bandbreite, setzten damit Glanzlicher und brachten den Saal förmlich zum Swingen.
Mit viel Gefühl sang der Chor den populären Hit für Swing-Freunde "How high the moon", das mit ungewöhnlicher Harmonie beeindruckende Stück "Moonglow" und den Song "Poinciana", der schon Spuren in der frühen Repertoiregeschichte des Jazz’ hinterlassen hat. Alles natürlich auswendig vorgetragen.
Am Klavier Akzente gesetzt
Margit Pöhlerts einfühlsame Begleitung am Klavier trug wesentlich zur harmonischen Ganzheit dieser Songs bei. Mit fließenden musikalischen Klangbildern vollzog sie die Dynamik der Lieder, setzte immer wieder Akzente und trat hinter dem Gesang zurück - überall, wo es erforderlich war. Das sprach die Zuhörer ebenso an, wie auch der zeitweise mitwirkende Schlagzeuger, mit dem das Zusammenspiel recht ordentlich klappte.
Ein reines Vergnügen war die Darbietung französischer und italienischer Lieder mit ihren wunderschönen weichen Harmonien und eingängiger Melodik wie die interpretierten französischen Lieder "Belle, qui te ma vie" und "Les avion en papier" sowie das melodienselige italienische Lied "Un amor cosi grande". Es ist auffallend beim Jungen Chor, dass es bei allen Liedvorträgen immer ausgesprochen demokratisch zugeht, jede Stimmlage einmal die Melodieführung kunstreich ausgeschmückt übernimmt, um sie dann jedoch gleich wieder bereitwillig abzugeben. Es erstaunt, dass dabei das Klanggewebe selbst bei der kompliziertesten Polyphonie immer transparent bleibt, dies vor allem dank einer verblüffend exakten Rhythmik.
Überschäumende Spontaneität brachte das singende Völkchen auf die Bühne mit dem von heißer afrikanischer Rhythmik und mit Trommelmusik untermalten Stück "O sifuni mungo", bei dem kräftig mitgewippt und geklatscht wurde. Die Mischung machte es eben bei diesem Konzert.
Kein Wunder, dass sich das Publikum nicht satt hören konnte bei dem mächtigen "Halleluja" sowie an den weiteren toll gesungenen Songs "What’s in a kiss", "The day isn’t long enough", "Opus one", "Come again", "One voice", "There hearts were full of spring" und beim glanzvoll gesungenen "Gabriellas Song", mit dem der Chor nochmals einen Höhepunkt setzte. Nach dem langen und stürmischen Schluss-Applaus gaben sich die Zuhörer erst nach zwei Zugaben zufrieden. G.J.
Artikel vom: 20.11.2010
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